Pressestimmen
Siegener Zeitung 23.02.2007
Chaos aberwitziger Geschichten
Wilnsdorfer Gymmi-Theater amüsiert mit „Tom, Dick und Harry“ / Neue Cooney-Farce
ciu Wilnsdorf. Es sollte der glücklichste Tag ihres Lebens werden. Sollte ... Denn der Tag, an dem sich für Tom und Linda der Weg zum Wunschkind ebnen soll, geht so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Die liebe Familie lässt sich nicht abschütteln, die Kerwoods trudeln ins Chaos aberwitziger Geschichten. Unterdessen schneien zwei Asyl suchende Kosovo-Albaner (von Dick aus Versehen mit Schmuggelware ins Land geschafft) in die gute Stube, unentwegt klingelt eine Polizistin an der Eingangstür, und mitten hinein in das Gewimmel aufgeregter Menschen und gut konservierter Leichenteile (von Harry eines höchst eigentümlichen Plans wegen ins Haus geschafft) gerät die Dame von der Adoptionsstelle. Au weia!Schnell, schnell erzählt das Wilnsdorfer Gymmi-Theater - Theater-AG und Literaturkurs 12 (Theater) des Gymnasiums Wilnsdorf - die Geschichte von Tom, Dick und Harry (genauso heißt die nagelneue Farce von Ray und Michael Cooney). Das ständige Hin und Her der Protagonisten (selbst wer steht, trippelt unermüdlich auf der Stelle), wüste Wortgefechte, hinaus und hinaus (durch fünf Türen und ein Fenster), hinauf und hinunter (über die Treppe, auf und unters Sofa), lautes Heulen (vor Freude, vor Rührung, zur Tarnung), und ein Müllsack, der einfach nicht verschwinden will (ganz klasse die Kopf-Korbballszene) - aus all dem entsteht eine herrliche Hektik, die selbst beim Zuschauen atemlos macht.
Inszeniert hat das temporeiche Stück Lothar Naumann, der damit zum 30. Mal Regie im Schultheater führt: 16-mal am Gymnasium Auf der Morgenröthe und 14-mal in Wilnsdorf. Und immer waren es Komödien, die er auf die Bühne gebracht hat. Naumann: „Ich mag diesen Esprit, den Wortwitz und dass bei einem guten Boulevardstück alles in der Schwebe ist.“
Mit der Cooney-Farce hat er einen guten Stoff gefunden. Dazu ein Ensemble, das durchweg überzeugt. Winfried Auner als „tricky Dick“ (dessen gute Laune kann gar nichts trüben), Kevin Kühne als treuherzig dreinschauender Harry (ein liebenswerter Chaot im Ganzkörpervirenschutz), Kristin Weiß als emsige Linda, Rebekka Sahm als mal verängstigte, dann wieder kesse Asylsuchende und Simon Höfer als trompetendes, trinkendes Asylanten-Großväterchen (ein urkomischer Typ!), Milena Fröbel als Streifen-Constable (die mit großen Augen und rotem Mund Haltung bewahrt), Nadja Pfeil als giftig-graue Mrs. Potter (die auf den Punkt genau ins Zimmer fliegt, als der Müllsack seine grausige Ladung freigibt) und Dominik Meiswinkel als Mafioso Boris (an dieser Stelle müsste nun ausgespuckt werden ...). Der personelle Pol, um den sich all diese Figuren drehen, ist Tom, Vater werden wollender Ehemann in Schlips und Kragen, dessen Leben binnen zwei Stunden (die Uhr über der Tür tickte unaufhörlich voran) völlig aus den Fugen gerät. Ganz wenige Tage vor der von einem bestens amüsierten und beifallfreudigen Publikum umjubelten Premiere am Mittwochabend musste Torben Föllmer in die Hauptrolle schlüpfen - und ersetzte den erkrankten Marc Baumunk fabelhaft.
Hilfreich war sicher, dass er als Regieassistent bereits gut mit Stück und Rolle vertraut war (Naumann: „Er kannte ja die Wege.“), hilfreich auch, dass ihm Text lernen liegt. Theater ist ohnehin sein Ding. Ab März besucht Torben Föllmer, der 2006 am Gymnasium Wilnsdorf sein Abi „baute" und gerade seinen Zivildienst geleistet hat, die Theaterwerkstatt Mainz. Die Leidenschaft für die Bühne hat das Schultheater gefördert; Torben spielte mehrfach bei Naumann mit. Jetzt wagt er den Weg auf professioneller Schiene. Ganz offen für das, was wird. „Was kommt, kommt“, sagt er.
Auf den Wilnsdorfer Brettern, die auch für ihn ein Stück Welt bedeuten, sind Föllmer & Co. heute und morgen Abend, jeweils 20 Uhr, noch einmal zu erleben.
Wochenblick 24.02.07
Wilnsdorf er Schüler letztmals auf Bühne
WILNSDORF. (rile) Nach einem furiosen Auftakt am Mittwoch, Donnerstag und Freitag vor jeweils ausverkauftem Haus, gehen die Theater' AG und der Literaturkreis des Gymnasiums Wilnsdorf am heutigen Samstag mit der Cooney-Farce „Tom, Dick und Harry“ auf die Zielgerade.Wer dieses Stück unbedingt noch sehen will, der hat heute, ab 20 Uhr, in der Aula des Gymnasiums die letzte Gelegenheit. Geboten werden schauspielerische Glanzleistungen. Und das ist die Geschichte: Auf dem Weg zur Adoption ihres Wunschkindes stellen sich Tomund Linda Kerwood ungeahnte, Probleme in den Weg. Gerade als sie den Inspektionsbesuch der Sozialarbeiterin Mrs. Potter erwarten, platzen Toms Brüder Dick und Harry in die hektische Betriebsamkeit, und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Geschmuggelte-Zigaretten, unverzollter Schnaps, illegale Einwanderer und nicht zuletzt eine Leiche pflastern ihren Weg. Und das alles, weil Dick und Harry es nur gut meinen...
Westfalenpost 21.02.2007
Brillante schauspielerische Leitungen der Schüler
Nadja Pfeil wächst über sich hinaus / Torben Föllmer springt für erkrankten Kollegen ein
WILNSDORF. (Wp) Er hat sich schon viel geleistet, 30 Jahre lang. Und mehr als einmal war auch ein Cooney dabei. Jetzt. hat sich Lothar Naumann sogar einen brandheißen Cooney gegönnt: „Tom, Dick und Harry“ kaum aus der Feder von Vater und Sohn Cooney geflossen, hat sich der Chef der Theater AG und des Literaturkurses 12 des Gymnasiums Wilnsdorf die neueste Farce der beiden britischen Schriftstellergenies geschnappt, um den zahllosen Fans des Schultheaters wieder zu einem höchst amüsanten Abend zu verhelfen. Erst dreimal ging das Frischlingswerk nach der Uraufführung im letzten Jahr über deutsche Bühnen. Doch vor dem Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Und bei Lothar Naumann ist er in diesem Jahr wohl in Strömen geflossen. Denn, das Schlimmste was einem Regisseur passieren kann ist, dass sein Hauptdarsteller krank wird. Und das ausgerechnet vor der Hauptprobe. Da ist es schon probat und lobenswert, wenn man sich den „Ersatz“ selbst herangezüchtet hat. Torben Föllmer, der Lothar Naumann nach eigener Karriere im Ensemble und nach bestandenem Abi im letzten Jahr, assistierte, lernte innerhalb von zwei Tagen, den Text der: Mammut-Rolle als Tom Kerwood. Gestern legte er eine. glanzvolle Vertretung für den erkrankten Team-Kollegen Marc Baumunk hin. Der angehende Schauspielschüler (siehe auch Interview) fügte sich moderat in das Ensemble ein. Wie immer können sich die Zuschauer wieder auf einen atemberaubenden, unterhaltsamen Theaterabend in der Aula des Gymnasiums freuen. Brillante schauspielerische Leistungen der einzelnen Akteure setzen der temporeichen Farce den krönenden Akzent. Wie schon all die Jahre zuvor, ist es nahezu unmöglich, einzelne Talente hervorzuheben, denn die Gesamtleistung besticht auch in diesem Stück erneut. Dennoch kann getrost ein Name hervorgehoben werden, ohne die Leistung aller übrigen zu schmälern: Nadja Pfeil scheint in der (Neben)- Rolle der Mrs. Potter über sich hinauszuwachsen. Neben Torsten Föllmer (oder Marc Baumunk) gehört ihr das Stück. Da bildet alles. eine Einheit: von der Gesichtsmimik über die Stimme bis hin zur für die Rolle absolut perfekten Körpersprache. Und wenn schon einmal gelobt wird, dann auch Simon Höfer- als der unscheinbare, den noch komödiantisch wirkungsvolle Großvater Andreas, der „Tootsie Andronikus“. Auch Rebekka Sahm als dessen Enkelin und Asylantin, aus dem Kosovo, überzeugt mit nahezu perfekten Sprachkenntnissen. Sie alle, ob Kristin Weiß als Linda Kerwood, Winfried Auner als Dick Kerwood, Kevin Kühne als Harry Kerwood, Milena Fröbel als forsche Polizistin oder Dominik Meiswinkel als Boris verdienen großes Lob. Ebenso wie die Bühnenbauer mit Rudolf Mehlich an der Spitze, die Souffleusen, die Maskenbildner und alle, die hinter den Kulissen am heutigen Abend für ein unvergessliches Theatervergnügen sorgen werden. Und das wird es, ganz sicher.Schon freigegebene Bilder
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Bildquelle: „Gymmi-Theater Wilnsdorf - Jonathan Berschauer“
